Reise an die Moldau - Die Czech Open 2008 in Prag
Hatten die Tschechen gerade noch bei den Länderspielen in Chemnitz ihre Dominanz gezeigt und die deutsche Ricochet-Nationalmannschaft in ihre sportlichen Schranken gewiesen, ging es nun im Einzelturnier darum, die deutsche Ehre wiederherzustellen. Aus Croco-Sicht stellten sich Conny, Norman, Mirko, Stephan und Tobias dieser Aufgabe.
Frohen Mutes und, wenn auch noch etwas müde, gut gelaunt machten sich die Fünf also am Samstag morgen auf den Weg in die tschechische Hauptstadt.

Nach einer kurzen Begrüßung wurde auch sofort zu den Schlägern gegriffen und Stephan musste als erstes gegen Jan Pulkráb (CZ) antreten. Sah in den ersten beiden Sätzen noch alles nach einem sicheren Croco-Sieg aus (17:14; 15:12) machte Stephan in den folgenden zwei Sätzen seinem Spitzname „Sleepwalker“ alle Ehre. Anstatt den Sack zu zu machen, verschlief er die nächsten beiden Sätze (8:15; 14:16) und es kam zum großen Showdown gegen den wacker kämpfenden Tschechen. Im 5. Satz entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, an dessen Ende Jan 4 Matchbälle vergab, bevor Stephan den Punkt zum 20:18 machte und somit zu einem schmeichelhaften 3:2 Sieg kam.

Keine Probleme hingegen hatte Mirko, der seinen Erstrundengegner Libor Skala klar mit 3:0 besiegte.
Somit war das Turnier für die Crocos mir zwei Siegen positiv gestartet und es war wieder einmal Tobias, der die erste Niederlage einstecken musste. Zwar mangelte es nicht am Einsatz, allerdings war der Tscheche Martin Bohuslav am Ende doch eine Nummer zu groß (1:3). Auch Norman und Conny starteten mit Niederlagen ins Turnier (jeweils 0:3 gegen Lubomir Falada; CZ bzw. Manuela Feith; HUN).

Das Erste Spiel der zweiten Runde hatte wieder der "Sleepwalker". Und dieses Mal konnte er nicht noch einmal von der Schippe springen und sich durch einen knappen Sieg ins Ziel retten. Dafür war der Ungar Zsolt Auer an diesem Tag zu gut für Stephan, der sich zwar Mitte der Partie gefangen hatte, letztendlich aber trotzdem 2:3 verlor.
Nein, es war wirklich nicht Stephans Tag. Zwar konnte er noch einen glanzlosen Sieg gegen Milan Synek (CZ; 3:1) einfahren, verlor aber danach überraschend gegen Matijn Wiedenhoff (2:3). Das Spiel gegen Matin Rudovský gab er dann kampflos auf und verschwand, enttäuscht über einen 24. Platz, in der Sauna.
Dort konnte ihm sehr bald auch Tobias Gesellschaft leisten. Nach einer Niederlage gegen Jan Pulkráb (1:2) konnte er erst im dritten Spiel den ersten Sieg einfahren (2:0 gegen Frank Lange; Bautzen). Nach einer weiteren Niederlage gegen Istvan Losoncsi (HUN; 1:2) und einem kampflosen Sieg gegen Jim-Wah Chung (NL) beendete er das Turnier auf Platz 37.

Auch Norman verlor sein zweites Match (1:3 gegen Béla Baronek; HUN) bevor er im dritten Anlauf den ersten Sieg feiern konnte (3:0 gegen Martin Bohuslav; CZ). Freuen konnte er sich darüber allerdings nur kurz, denn gegen Jirí Kisvetr (CZ) war nix zu holen (0:3). Im Spiel um Platz 27 gegen Libor Skala kämpfte er noch einmal, musste aber auch hier am Ende mit einer Niederlage leben (2:3).

Für Conny gab es an diesem Tag in einem überdurchschnittlich starken Frauenfeld außer Erfahrung leider auch nix zu gewinnen. In ihrem zweiten Spiel gab sie gegen eine etwas übermotivierte Karolina Menoúsková (CZ) im dritten Satz beim Stand von 0:5 auf. Gegen Jana Rietscher und Andrea Lunze (beide Bautzen) konnte sie zumindest mitspielen und wertvolle Erfahrungen sammeln, auch wenn in diesen Spielen erwartungsgemäß nix zu holen war (jeweils 0:3).
Somit ruhten alle Croco-Hoffnungen auf Mirko. Diese erhielten allerdings erst mal einen kleinen Dämpfer. Aber gegen den Tschechen Jaroslav Kindl war kein Ankommen möglich (0:3). Mirkos Hoffnungen auf eine gute Platzierung wurden beim Blick auf den Spielplan auch nicht unbedingt größer, so dass er sich entschied mit Stephan und einer Hand voll Tschechen in einer Diskothek in der Prager Innenstadt bis in die frühen Morgenstunden zu feiern. Conny, Norman und Tobias waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu müde. Schließlich hatte man bereits im Studio bis gegen 0:00 Uhr gesellig zusammengesessen, getrunken, gelacht und getanzt. Da das Verhältnis zwischen Männern und Frauen leider nicht ganz ausgeglichen war, wurde von Tobias zum Tanzen auch ein Ventilator zweckentfremdet. Dieser bewegte sich zwar nicht im Rhythmus der Musik, allerdings immerhin gleichmäßig hin und her.

Wo Mirko dann am nächsten Morgen die Kraft für die folgende Leistung hernahm, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben. Nach gerade einmal 2,5 Stunden Schlaf war es zuerst der spätere 11. Eduard Kocvara (CZ), der gegen das Mirc-Croc nicht den Hauch einer Chance hatte (3:0). Dieser Sieg war zwar bereits beeindruckend, aber noch im Rahmen der Erwartungen. Im Spiel um Platz 9 wartete nun der dritte der tschechischen Rangliste Lubos Falada. Das Spiel begann, wie es zu erwarten war. Mirko kämpfte aufopferungsvoll, doch der Tscheche schien zu stark, um ihn zu besiegen und ging durch ein 13:15 im ersten Satz in Führung. Doch Mirko kämpfte weiter und Lubos Falada war langsam anzumerken, dass auch an ihm die vorherige Nacht nicht spurlos vorbei gegangen war. So schaffte es Mirko in einem umkämpften Satz, diesen am Ende denkbar knapp mir 21:20 für sich zu entscheiden. Freude bei den Chemnitzern, allerdings hatte das Spiel Mirko viel Kraft gekostet und jeder rechnete damit, dass der Tscheche nun keinen Satz mehr abgeben würde. Allerdings bekam Mirko, woher auch immer, auf einmal die berühmte zweite Luft. Er spielte sich in einen wahren Rausch und nicht nur die Zuschauer, die im Verlauf des Matches immer mehr wurden, sondern auch Lubos Falada staunten wohl nicht schlecht. Am Ende war es nicht Mirko, sondern der Tscheche, der in diesem Match keinen Satz mehr holen sollte. Zur Überraschung aller setzte sich Mirko mit 13:15; 21:20; 15:11 und 15:13 durch und schob sich somit noch auf einen einstelligen Platz (9.).

Trotzdem muss man sagen, dass das Gold in der „Goldenen Stadt“ weit weg ist. Dieses ging am Ende an Petr Hušek bei den Herren und an Veronika Kadlecová bei den Damen.

Wenn man beobachten muss, wie der beste deutsche Ricochetspieler, Johannes Häfer, parallel zum Finale auf einem Nebencourt um den fünften Platz spielt, dann zeigt das den Leistungsunterschied zwischen Tschechien und Deutschland.

Trotzdem war es ein sehr schönes Turnier mit einer tollen Party. Dafür: Dékuji mockrát. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.